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„Ich marschiere für die Tiere“ Nazis und Tierschutz

Rechtsextremismus und Tierschutz. Zwei Begriffe, die auf dem ersten Blick so gar nichts miteinander zu tun haben. In der Broschüre „Geht mal gar nich: Nazis und Tierrecht“ erläutert der Neonazi-Aussteiger Sebastian Angermüller, was die beiden Themen dennoch verbindet.

 
Cover der Broschüre "Geht mal gar nich: Nazis und Tierrecht" (Quelle: Aussteigerhilfe Bayern)

„Man muss nicht VeganerIn sein, um nach dem Tierrechtsgedanken zu leben“, rechtfertigen Neonazis deren Engagement in der Tierschutzszene. Darüber hinaus stellen sie gerne die „Theorie“ auf, dass der Ursprung der Tierrechtsbewegung im Nationalsozialismus liege.

Die Broschüre will mit diesen und weiteren Behauptungen aufräumen. Beispielsweise hält sich hartnäckig  das Gerücht, dass Adolf  Hitler Vegetarier gewesen sei. Doch Hitler bekam aufgrund seiner diversen Leiden eine fleischarme Kost von seinem Leibarzt verordnet. Von Ethik oder Vegetarismus also keine Spur.

Des Weiteren wird in Nazi-Kreisen gerne behauptet, dass das erste Tierschutzgesetz erst 1933 dank nationalsozialistischer Politik verabschiedet worden sei. Der Autor Angermüller stellt aber in seiner Broschüre klar, dass „dieses Gesetz keinesfalls das massenhafte Töten von Tieren eindämmte, sondern das Töten sogar rechtlich für jeden Deutschen zementierte“.

Rechtsextreme Ideologie überwinden

Die Broschüre erscheint in der Reihe „Geht mal gar nich: Nazis und… “ und gibt Aussteigerinnen und Aussteigern aus der Neonazi-Szene die Möglichkeit,  ihre Erfahrungen aufzuarbeiten und diese dann als Argumentationshilfe im Umgang mit Rechtsextremismus zu nutzen.

„Wenn sich Neonazis offen zu erkennen geben“, so Sebastian Angermüller, „dann stoßen sie glücklicherweise auf breite Ablehnung.“ Daher wenden sich Rechtsextreme Strategien zu, die bekannte neonazistische Symbolik vermeiden und versuchen ihre Ideologie in vermeintlich unpolitischen Diskussionen wie etwa zum Tierschutz zu verbreiten. Diese Taktik hat sich bereits in ursprünglich antifaschistisch oder unpolitisch geprägten Strömungen wie der Punkszene, dem Skinheadkult, der Hardcoreszene, den Antikriegsbewegungen und Arbeiterbewegungen „bewährt“.

Allerdings kann diese Strategie auch „nach hinten los gehen“. Denn Angermüller begreift sie auch als Chance für eine Ausstiegshilfe aus der Szene: Einige Neonazis überwinden ihre eingeimpfte Ideologie durch die permanente Beschäftigung mit Tier- und Menschenrechtsgedanken.

„Dafür ist es aber notwendig“, so der Autor, „dass sich die Tierrechtskreise klar gegen nazistisches Gedankengut positionieren und Nazis klar machen, dass deren Ideologie rein gar nichts mit der Gesinnung von TierrechtlerInnen zu tun hat“.

Zum Autor

Sebastian Angermüller war über zehn Jahre in der rechtsextremen Szene  Bayerns tätig. Als Funktionär betreute er mehrere Internetseiten, leitete eine Kameradschaft und trat als Redner bei mehreren Aufmärschen auf. Die intensive Beschäftigung mit dem Thema „Tierrecht“ sorgte bei ihm für ein Umdenken und seiner letztendlichen Abkehr von der nationalsozialistischen Ideologie.

Heute engagiert sich Angermüller im Tierrechtsbereich, sowie gegen Sexismus und Rassismus.

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